Range Rover Electric
Range Rover Electric

Zwei Elektromotoren, 118,5-kWh-Batterie und intelligentes Allradmanagement

Die Elektrifizierung erreicht nun auch den Range Rover. Der erste vollelektrische Vertreter der Baureihe wird im britischen Solihull gefertigt und übernimmt die grundlegende technische Ausrichtung des bekannten Luxus-SUV: hohe Reichweite, komfortorientiertes Fahren und ausgeprägte Offroad-Fähigkeiten. Dafür wurde der Antriebsstrang umfassend auf die Anforderungen eines Elektrofahrzeugs abgestimmt.

Im Mittelpunkt stehen zwei Permanentmagnet-Elektromotoren, eine nutzbare Batteriekapazität von 118,5 kWh und eine 800-Volt-Elektroarchitektur. Hinzu kommen eine elektronisch gesteuerte Kraftverteilung, ein auf die Batterie abgestimmtes Thermomanagement sowie umfangreiche Diagnose- und Softwarefunktionen. Der elektrische Range Rover ist damit weniger eine Variante mit ausgetauschtem Antrieb als vielmehr ein SUV, bei dem zentrale Fahrzeugfunktionen auf elektrische Energie und schnelle elektronische Regelung ausgelegt sind.

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Elektrischer Antrieb mit 550 PS und 850 Nm

Der Range Rover Electric wird von zwei Permanentmagnet-Elektromotoren angetrieben. Beide Einheiten leisten jeweils 260 kW. Zusammen stehen bis zu 550 PS und ein maximales Drehmoment von 850 Nm zur Verfügung. Die Motoren treiben jeweils eine Achse an und ermöglichen damit einen permanent verfügbaren elektrischen Allradantrieb ohne mechanische Verbindung zwischen Vorder- und Hinterachse.

Diese Konfiguration eröffnet bei der Regelung des Antriebs zusätzliche Möglichkeiten. Die Drehmomentverteilung kann elektronisch und innerhalb sehr kurzer Zeit verändert werden. Ein Elektromotor muss dabei nicht auf Schaltvorgänge oder den Aufbau von Motordrehzahl warten, sondern kann seine Kraft unmittelbar an die jeweilige Fahrsituation anpassen.

Bei den Fahrleistungen kommt der Range Rover Electric entsprechend auf Sportwagenwerte eines großen SUV: Für den Sprint von 0 auf 60 mph werden 4,3 Sekunden angegeben. Den Zwischenspurt von 50 auf 75 mph absolviert das Fahrzeug in 2,7 Sekunden.

Bei der Leistungselektronik setzt der Antrieb auf Siliziumkarbid-Halbleiter. Sie erlauben hohe Schaltfrequenzen und können die Verluste innerhalb der Leistungselektronik reduzieren. Nach Herstellerangaben erzeugen die eingesetzten Motoren rund 20 Prozent mehr Drehmoment als vergleichbare Motoren gleicher Baugröße.

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118,5 kWh Speicherkapazität und 800 Volt

Die Energie für den Antrieb kommt aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit 118,5 kWh nutzbarer Kapazität. Der Speicher besteht aus 344 prismatischen Zellen und ist als Doppelstapel ausgeführt. Die Batterie wurde nicht nur hinsichtlich ihrer Energiedichte, sondern auch im Hinblick auf die mechanischen und thermischen Anforderungen des Fahrzeugs ausgelegt.

Die 800-Volt-Architektur bildet dabei die Grundlage für hohe Ladeleistungen. An einem Gleichstrom-Schnelllader mit bis zu 350 kW soll sich der Ladezustand von 10 auf 80 Prozent in rund 22 Minuten erhöhen lassen. Unter optimalen Bedingungen können innerhalb von zehn Minuten bis zu 220 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen werden.

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Die Reichweite wird mit bis zu 600 Kilometern nach WLTP angegeben. Unter realen Bedingungen sollen bis zu 535 Kilometer möglich sein. Wie bei allen Elektrofahrzeugen hängt die tatsächlich erreichbare Distanz unter anderem von Außentemperatur, Geschwindigkeit, Topografie, Beladung und Nutzung von Heizung oder Klimaanlage ab.

Gerade bei einem großen und schweren SUV ist die Batteriegröße ein Kompromiss zwischen Reichweite, Fahrzeuggewicht und Ladefähigkeit. Die hohe Speicherkapazität reduziert zwar den Bedarf an Zwischenstopps, erhöht aber zugleich die Anforderungen an Kühlung, Packaging und Fahrwerk.

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Schnelle Regelung des Allradantriebs

Eine der technisch interessanteren Komponenten des elektrischen Range Rover ist die Steuerung der Traktion. Die Intelligent Driveline Dynamics (IDD) kann das Drehmoment zwischen den beiden angetriebenen Achsen variieren. An der Hinterachse ist dabei eine Anpassung des Drehmomentanteils von 100 auf null Prozent möglich.

Das Integrated Traction Management (ITM) übernimmt die schnelle Reaktion auf Veränderungen der Haftung. Die Motordrehzahl kann innerhalb von rund 50 Millisekunden angepasst werden. Dadurch lässt sich auftretender Schlupf elektronisch kontrollieren, ohne dass dafür klassische mechanische Eingriffe in den Antriebsstrang erforderlich sind.

Der elektrische Antrieb nutzt damit eine seiner wesentlichen technischen Eigenschaften: Drehmoment lässt sich sehr schnell aufbauen und wieder reduzieren. Das verbessert nicht nur die Beschleunigung auf der Straße, sondern kann auch beim Fahren auf losem Untergrund von Vorteil sein. Wo sich die Haftung eines einzelnen Rades verändert, kann die Antriebsleistung entsprechend nachgeregelt werden.

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Offroad-Fahren mit elektronischer Drehmomentkontrolle

Die elektrische Antriebstechnik soll dabei nicht zu einer Einschränkung der klassischen Range-Rover-Fähigkeiten führen. Der Electric ist für Steigungen von bis zu 33 Grad ausgelegt. Unter entsprechenden Bedingungen sollen auch Steigungen von bis zu 45 Grad bewältigt werden können.

Unterstützt wird die Antriebskontrolle durch einen neuen Ein-Pedal-Modus. Beim Loslassen des Fahrpedals wird die Verzögerung stärker über die elektrische Antriebsregelung und Rekuperation gesteuert. Das kann insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten eine feinfühlige Kontrolle ermöglichen.

Für den Einsatz im Gelände ist weniger die absolute Motorleistung entscheidend als die Dosierbarkeit des Drehmoments. Genau hier bietet der elektrische Antrieb konstruktive Vorteile. Die beiden Motoren können unabhängig voneinander geregelt werden, während die Software die verfügbare Traktion kontinuierlich überwacht und die Kraftverteilung entsprechend anpasst.

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Thermomanagement beeinflusst Reichweite und Ladezeit

Bei Elektrofahrzeugen gehört das Temperaturmanagement zu den entscheidenden technischen Faktoren. Batterie, Elektromotoren, Leistungselektronik und Innenraum benötigen teilweise unterschiedliche Temperaturbereiche. Gleichzeitig beeinflusst die Außentemperatur sowohl die verfügbare Leistung als auch die Ladegeschwindigkeit.

Range Rover setzt deshalb auf das ThermAssist-System. Es koordiniert die thermischen Prozesse des elektrischen Antriebs und soll insbesondere bei niedrigen und hohen Temperaturen eine möglichst konstante Leistungsfähigkeit sicherstellen.

Nach Herstellerangaben kann das System die Reichweite um bis zu 40 Kilometer erhöhen und den Energiebedarf für die Innenraumheizung um bis zu 40 Prozent reduzieren. Der Effekt entsteht unter anderem durch eine gezielte Nutzung der verfügbaren Wärmeenergie und eine bedarfsgerechte Steuerung der einzelnen thermischen Kreisläufe.

Das Thermomanagement wirkt sich außerdem auf die Schnellladefähigkeit aus. Für hohe Ladeleistungen muss die Batterie innerhalb eines geeigneten Temperaturfensters betrieben werden. Ist der Speicher zu kalt oder zu warm, kann die Ladeleistung reduziert werden. Eine gezielte Vorkonditionierung kann deshalb dazu beitragen, die verfügbare Ladeleistung beim Erreichen einer Schnellladestation besser auszunutzen.

Erprobung von Batterie und Antrieb unter Extrembedingungen

Die Entwicklung des Range Rover Electric umfasste umfangreiche Simulationen und reale Fahrversuche. Erprobt wurde das Fahrzeug unter anderem bei Temperaturen von bis zu -40 °C im schwedischen Arjeplog sowie unter den hohen Temperaturen der Wüste von Dubai. Weitere Tests fanden auf dem JLR-Testgelände in Eastnor Castle statt.

Nach Angaben des Herstellers wurden mehr als 1,5 Millionen Kilometer und über 250.000 Stunden in virtuellen und realen Entwicklungsprogrammen absolviert. Dabei standen nicht nur Fahrdynamik und Reichweite im Fokus. Auch Batterie, Leistungselektronik, Software und thermische Systeme mussten unter wechselnden Bedingungen funktionieren.

Für die Batterie wurden zusätzliche Belastungstests durchgeführt. Das neue Batterietestlabor von JLR setzt die Energiespeicher unter anderem mehrdimensionalen Vibrations- und Stoßbelastungen aus. Die Prüfungen decken einen Temperaturbereich von -40 bis +90 °C ab.

Das Batteriegehäuse besteht aus hochfestem Aluminium und soll den Speicher gegen mechanische Belastungen schützen. Das ist insbesondere für ein Fahrzeug relevant, dessen Einsatzspektrum auch unbefestigte Wege und anspruchsvollere Geländepassagen umfasst.

Digitaler Batterie-Zwilling überwacht den Speicher

Eine weitere technische Ebene bildet die digitale Überwachung des Fahrzeugs. Jeder Range Rover Electric verfügt über einen digitalen Batterie-Zwilling, der nach Herstellerangaben mehr als 900 Diagnosedatenpunkte verarbeitet.

Damit lässt sich der Zustand des Hochvoltspeichers detaillierter überwachen als mit einer rein intervallbasierten Wartung. Zusammen mit Over-the-Air-Updates können Softwarefunktionen aktualisiert und Betriebsdaten ausgewertet werden. Die Fahrzeugdiagnose wird damit zunehmend von der klassischen Werkstattprüfung in Richtung kontinuierlicher Zustandsüberwachung verschoben.

Für Elektrofahrzeuge ist das besonders relevant, weil der Zustand der Batterie maßgeblich für Reichweite, Leistungsfähigkeit und langfristigen Fahrzeugwert ist. Eine kontinuierliche Erfassung relevanter Betriebsdaten kann dazu beitragen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Wartungsmaßnahmen gezielter zu planen.

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Ladeplanung und Fahrzeugsteuerung per App

Die Digitalisierung reicht über die Fahrzeugsteuerung hinaus. Über die Range Rover App können Fahrer unter anderem Ladezustand, voraussichtliche Reichweite, Fahrzeugstandort und Verriegelungsstatus abrufen.

Auch bestimmte Komfortfunktionen lassen sich aus der Ferne aktivieren. Dazu gehören beispielsweise die Lenkradheizung und Funktionen zur Vorbereitung beziehungsweise Reinigung des Innenraums.

Für das Energiemanagement wichtiger ist die Ladeplanung. Ist das Fahrzeug angeschlossen, kann der Ladevorgang zeitlich gesteuert werden. Dadurch lässt sich beispielsweise ein günstigerer Stromtarif nutzen oder das Fahrzeug so vorbereiten, dass die Batterie zu einem gewünschten Zeitpunkt einen definierten Ladezustand erreicht.

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Schnellladen mit 350 kW

Die 800-Volt-Technik macht den Range Rover Electric für leistungsfähige Gleichstrom-Ladeinfrastruktur geeignet. Bei Verwendung eines entsprechenden 350-kW-Ladepunkts sind die genannten rund 22 Minuten für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent möglich.

Die tatsächliche Ladeleistung wird allerdings nicht allein vom Ladegerät bestimmt. Auch der aktuelle Ladezustand und die Batterietemperatur beeinflussen die Leistungskurve. Die maximale Ladeleistung wird daher nur unter geeigneten Bedingungen erreicht.

Für das Laden zu Hause steht eine optionale Range-Rover-Heimladestation zur Verfügung. In Verbindung mit der Ladeplanung kann das Fahrzeug damit bevorzugt zu den gewünschten Zeiten geladen werden. In Europa und Großbritannien soll zudem der Zugang zu mehr als einer Million öffentlichen Ladepunkten möglich sein. Für Nordamerika ist die Integration in das Tesla-Supercharger-Netzwerk mit NACS-Kompatibilität vorgesehen.

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Elektrifizierung als Systemintegration

Der Range Rover Electric zeigt, welche technischen Veränderungen die Elektrifizierung bei einem großen SUV mit sich bringt. Der entscheidende Unterschied zum Verbrenner liegt nicht allein in der Energiequelle. Batterie, Elektromotoren, Leistungselektronik, Thermomanagement, Allradsteuerung und Software bilden ein eng gekoppeltes Gesamtsystem.

Die beiden 260-kW-Motoren stellen bis zu 850 Nm bereit und ermöglichen eine schnelle Regelung der Antriebskraft. Die 118,5-kWh-Batterie und die 800-Volt-Architektur schaffen die Voraussetzungen für hohe Reichweite und kurze Ladezeiten. Gleichzeitig übernimmt Software einen größeren Anteil an der Steuerung von Traktion, Batterie und Fahrzeugdiagnose.

Für die Alltagstauglichkeit eines solchen SUV wird damit nicht nur die nominelle Reichweite entscheidend. Ebenso wichtig sind Ladegeschwindigkeit, Temperaturmanagement, reproduzierbare Leistungsabgabe und die Fähigkeit, den Energieverbrauch unter unterschiedlichen Bedingungen zu kontrollieren.

Mit dem elektrischen Antrieb verschiebt sich daher auch der technische Schwerpunkt des Range Rover. Mechanische Komponenten bleiben für Fahrwerk und Geländeeinsatz relevant, ihre Funktion wird jedoch zunehmend durch Sensorik, Leistungselektronik und Software ergänzt. Genau in dieser Verbindung aus elektrischer Antriebstechnik und klassischer SUV-Konstruktion liegt das technische Konzept des Range Rover Electric.

red/Range Rover/09/2026