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News: Das Porsche Cayenne Cabrio das nur rollen konnte und nie kam

"Da kommen formal seltsame Dinge heraus"

 
Die Porsche Cayenne Modellreihe feiert 2022 ihr 20 jähriges Jubiläum. Das ein SUV als "dritter Porsche" Aussicht auf Erfolg haben würde, daran glaubte Ferry Porsche bereits 1989, als er sagte: "Wenn wir ein Geländefahrzeug nach unseren Qualitätsvorstellungen bauten, und vorne steht Porsche drauf, würde es auch verkauft.“ Und er hat damit Recht behalten, denn seit 2002 gehört der Cayenne zu den tragenden Säulen des weltweiten Erfolgs von Porsche.
 
Es gab aber auch Modelle, die an dieser Erfolgsgeschichte nicht teilnahmen, da sie nie in Serie gingen. Dazu gehört das Cayenne Cabriolet, das es nur einmal gab. 
 
Schon früh hatte Porsche über alternative Karosserieformen zum klassischen fünftürigen SUV nachgedacht. Kurz nach dem Verkaufsstart der ersten Modellgeneration des Cayenne im Dezember 2002 diskutierten die Verantwortlichen über drei zusätzliche Varianten: ein Coupé, eine um 20 Zentimeter gestreckte und um eine zusätzliche Sitzreihe ergänzte Langversion sowie ein Cabriolet.
 
Das rund 4,80 Meter lange Cabriolet auf Cayenne-Basis wurde tatsächlich gebaut, aber nur ein einziges Modell, und das auch nur als Package-Funktionsmodell, kurz PFM, also ein nicht fahrbereiter Prototyp.
 
Das Dach des Cayenne wurde dazu entfernt, aber auf die für ein Cabriolet nötigen Karosserieversteifungen wurde verzichtet, weshalb eine sichere und stabile Fahrt mit dem Fahrzeug nicht möglich gewesen wäre. Testfahrten waren auch nie geplant, denn das Cabriolet-PFM diente allein dazu, vier Kriterien zu prüfen: 
 
Kann man überall gut sitzen, wenn das Dach nach hinten coupéhafter ausläuft und die Windschutzscheibe samt A-Säulen gekürzt wird? Wie praktisch bleibt der Cayenne als Zweitürer, da die Türen jeweils um 20 Zentimeter länger wurden? Lässt sich ein elegantes, hochwertiges und zudem schnell faltbares Verdeck unterbringen? Und wie sollte man das Heck gestalten? 
 
Bei der Frage nach der Heckgestaltung war man sich bei Porsche im Jahr 2002 noch uneins und entwarf deshalb für das Package-Funktionsmodell zwei unterschiedliche Heckpartien. Hinten links war die Rückleuchte tief angesetzt, hinten rechts saß sie deutlich höher.
 
Beim Heck-Design hätte man sich gewiss geeinigt, und sicher wären auch die technischen Fragen lösbar gewesen. Es war ein heute bekannter Verdeck-Mechanismus angedacht: Der Kofferraumdeckel des Cayenne-PFM ist vorne und hinten angeschlagen, kann also in beide Richtungen öffnen. Das Dach sollte über den feststehenden Überrollbügel hinweg nach hinten gefahren und dort unter dem gegenläufig geöffneten Kofferraumdeckel in einer Z-Faltung abgelegt werden. Ganz ähnlich funktioniert es seit der Generation 991 beim Porsche 911 Targa. Beim Cayenne Cabriolet wurde der Mechanismus jedoch nie fertig konstruiert, sondern verharrte im Status der Computersimulation. Das Stoffdach liegt heute im Kofferraum des Museumsstücks und muss bei Bedarf von Hand montiert werden.
 
Während die Coupé-Idee von 2002 später wieder aufgegriffen und 2019 in einem erfolgreichen Serienmodell verwirklicht wurde, verfolgte Porsche die Cabriolet-Idee nicht weiter. Die Prognosen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit waren nicht besonders vielversprechend. Obendrein blieben Zweifel, ob das Auto so ansprechend aussehen würde, wie man es von einem Porsche erwartet. "Ein SUV als Cabriolet ist ästhetisch und formal schon eine Herausforderung“, sagt Designchef Michael Mauer, der 2002 noch nicht im Amt war, beim heutigen Blick auf das Konzept. "Das SUV hat immer einen großen und schweren Körper. Das kombinieren Sie mit einem kleinen Hut und schneiden dann noch das Dach weg – da kommen formal seltsame Dinge heraus.“
 
Weitere Informationen zum Porsche Fahrzeugprogramm unter www.porsche.de
 
red/porsche/08/2022
 

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