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News: Mit dem Espada 400 GT begann die Ära des V12 bei Lamborghini

"Besonders schneller Gran Turismo"

 
2022 feiert Lamborghini seinen legendären Zwölfzylindermotor der über fast 60 Jahre lang die Sportwagen der Marke mit dem Stier angetrieben hat. Dazu zählt der Espada 400 GT, der erste Viersitzer von Lamborghini und gleichzeitig das über Jahre meistverkaufte Modell des Autobauers. Der Espada 400 GT war dank seines V12-Frontmotors mit vier Litern Hubraum trotz seiner gewachsenen Abmessungen ein besonders schneller Gran Turismo.
 
Der Gründer Ferruccio Lamborghini hatte von Beginn seiner Tätigkeit im Automobilbau an ein klares Ziel vor Augen: Er wollte den besten Gran Turismo produzieren – einen nicht nur schnellen, sondern gleichzeitig auch komfortablen und luxuriösen Sportwagen. Der im März 1968 auf dem Genfer Autosalon präsentierte Espada 400 GT ist das Fahrzeug, das diesen Wunsch über ein Jahrzehnt lang in Perfektion verkörperte. Der Espada bot dank eines im Vergleich zum Vorgängermodell 400 GT 2+2 und dem Islero 400 GT 2+2 weitaus geräumigeren Innenraums vier Erwachsenen und ihrem Gepäck bequem Platz. Zudem überzeugte der Espada durch seine luxuriöse Ausstattung mit einer Fülle von Leder und edlen Materialien sowie optionaler Klimaanlage. 1969 wurde die Servolenkung als Sonderausstattung eingeführt und ab 1972 serienmäßig verbaut. Eine Version mit Automatikgetriebe war ab 1974 erhältlich.
 
Der technische Eckpfeiler des Espada ist der V12-Motor mit 60 Grad Bankwinkel, der erstmals 1963 mit 3,5 Litern Hubraum produziert wurde. Bereits 1964 wurde dieser auf vier Liter (3929 cm³) vergrößert. Ein bemerkenswertes Beispiel der Motorenentwicklung und -technik, das 325 PS bei 7200 U/min produzierte, als es erstmals im Espada verbaut wurde. Dieser Wert stieg im 1970 vorgestellten Espada der zweiten Serie auf 350 PS bei 7500 U/min.
 
Bei seinem Debüt war der Espada der schnellste Viersitzer der Welt, und erreichte Höchstgeschwindigkeiten zwischen 245 und 260 km/h, womit er es unter den meisten Einsatzbedingungen mit dem sportlicheren Miura aufnehmen konnte.
 
Der von sechs horizontalen Weber-Doppelvergasern (Typ 40 DCOE) gespeiste V12 verfügt über ein Verdichtungsverhältnis von 9,5:1 (10,7:1 ab Serie II) und kettengetriebene, doppelt obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank. Sein geringes Gewicht von 232 Kilogramm ist der umfangreichen Verwendung von Aluminium an Zylinderkopf, Kurbelwelle und Kolben zu verdanken. Der gegenüber den vorherigen Lamborghini-Motoren in 350/400 GT leicht nach vorne verlagerte Frontmotor sorgt für einen geräumigeren Innenraum. Dank der großen Öffnung unter der Aluminiumhaube war der Motor leicht zugänglich.
 
Das Fahrwerk basierte auf dem 400 GT, wurde aber auf einen Radstand von 2650 Millimetern verlängert sowie auf eine Spurweite von 149 Zentimetern verbreitert. Die Einzelradaufhängung an allen vier Rädern verfügt über Doppelquerlenker und Schraubenfedern. Im November 1968 wurde auf dem Turiner Autosalon ein Espada "Lancomat“ mit hydropneumatischem Fahrwerk vorgestellt. Das System wurde als Sonderausstattung angeboten, aber letzten Endes nur von sehr wenigen Eigentümern gewählt.
 
Das hochinnovative Design mit kantigen Formen von Karosseriebauer Bertone erwies sich als langanhaltender kommerzieller Erfolg. Trotz seiner Höhe von gerade einmal 119 Zentimetern eignete er sich durch seine Vielseitigkeit und Geräumigkeit für die alltägliche Benutzung. Dadurch konnte der Kundenstamm des Autos deutlich vergrößert werden. Insgesamt wurden 1226 Fahrzeuge in drei Serien produziert: 176 Exemplare des Espada 400 GT Serie I von 1968 bis 1969, 578 Exemplare des Espada 400 GTE Serie II von 1970 bis 1972 und 472 Exemplare des Espada 400 GTS Serie III von 1972 bis 1978.
 
Basierend auf dem Espada 400 GTE Serie II wurde 1971 der Espada VIP präsentiert, von dem lediglich zwölf Stück produziert wurden. Die ersten Modelle dieser Sonderserie wurden in einer speziellen orangen Lackierung mit zweifarbigem Lederinterieur in Orange und Schwarz angeboten. Spätere Fahrzeuge wurden auch in anderen Farbkombinationen produziert. Der Innenraum der VIP-Version war mit einer Minibar und einem Kühlschrank in den hinteren Seitenteilen ausgestattet. Auf der Oberseite des Kardantunnels war zudem ein Fernsehgerät Algol 11 von Brionvega angebracht, das zur Unterhaltung der Fondpassagiere diente. Der VIP ist heute eine der gefragtesten Versionen in Espada-Sammlerkreisen.
 
Zu den berühmtesten Eigentümern des Lamborghini Espada gehört sicherlich Sir Paul McCartney. Das ehemalige Beatles-Mitglied ist bekennender Lamborghini-Fan. 1972 hatte McCartney einen Espada Serie III mit Rechtslenkung, Schaltgetriebe, in roter Lackierung und mit rotem Lederinterieur erworben. Seine damalige Frau Linda nutzte das Auto häufig. Eines Tages rollte es allerdings in einen nahegelegenen Teich, nachdem sie es im Leerlauf geparkt und vergessen hatte, die Handbremse zu ziehen. Nach drei Tagen wurde das Fahrzeug aus dem Wasser geborgen und später an einen neuen Eigentümer verkauft, der es viele weitere Jahre lang nutzte. In der Folge diente der Espada als Dekor in einem englischen Pub. 2005 wurde er an einen unbekannten Enthusiasten verkauft, und es wird vermutet, dass sich das Fahrzeug nun in Österreich befinden könnte.
 
Über die Jahre hat eine Vielzahl von Berühmtheiten ihre Affinität für den Espada zum Ausdruck gebracht. So besitzt beispielsweise der gefeierte US-amerikanische TV-Entertainer und seit jeher leidenschaftliche Automobilfan Jay Leno seit 1986 einen der allerersten Espada Serie II, Baujahr 1969. Auch Harry Metcalfe, Gründer des britischen Automagazins EVO, besitzt bereits seit vielen Jahren einen Espada – einen Rechtslenker der Serie II von 1970. Mit diesem nahm er 2018 an der vom Automobili Lamborghini Polo Storico organisierten Initiative zum 50. Jubiläum von Espada und Islero teil.
 
Der Espada trat in zahlreichen Filmen auf, darunter rund 50 namhafte Titel. Am berühmtesten bei den Fans des Modells ist dabei der italienische Film „Sie nannten ihn Plattfuß“ von 1973 mit Carlo Pedersoli alias Bud Spencer in der Hauptrolle. Der größtenteils in Neapel und Umgebung gedrehte Film zeigt, wie der Protagonist einen Espada bergauf um mehrere Haarnadelkurven verfolgt. Die lange Verfolgungssequenz endet vor der Kirche von Sant‘Antonio a Posillipo.
 
Der "reine“ V12-Verbrennungsmotor wird in seiner letzten Entwicklungsstufe im Aventador Ultimae bis Ende 2022 vom Band laufen: Ab kommendem Jahr wird der Nachfolger des Aventador mit einer neuen Plug-in-Hybrid-Version des V12-Motors ausgestattet sein.
 
Weitere Informationen zum Lamborghini Fahrzeugprogramm unter www.lamborghini.com
 
red/lomborghini/07/2022
 

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